Grandeur

Das frischgebackene Staatsoberhaupt mit seiner Ehegattin Brigitte Quelle Foto – Wikipedia)

Kann der neue französische Präsident Macron seinem Land den Grandeur vervlogener Zeiten wieder geben ? Das lässt sich bezweifeln. Frankreich und Europa könnten das jedoch sehr gut gebrauchen. Unter Sarkozy (2007-2012) und Hollande (2012-2017) ist la douce France stark verblichen. Charles de Gaulle (1958-1969) gründete die Fünfte Republik und verschaffte seinem Land damit lebenswichtige Impulse. 

Führung

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts ist die führende Rolle von Frankreich auf Deutschland übergegangen. Seit dem Beginn der Europäischen Union 1957, damals EGKS genannt (Europäische Gemeinschaft von Kohlen und Stahl) ist die Achse Paris –Berlin der Antrieb gewesen für die Europäische Zusammenarbeit.

Wird die Tricolore unter Macron wieder stolz und kräftig wehen ? (Quelle Foto – Wikipedia)

Mit dem Zutritt acht ehemals kommunistischer Länder 2004  gab es eine Akzentverschiebung in östliche Richtung. Dies wurde am deutlichsten sichtbar als der Pole Tusk 2014 zum Vorsitzenden des Europäischen Rates benannt wurde. Dabei hatte Bundeskanzler Merkel auch deutlich ihre Hand im Spiel. Mutti Merkel ist seit 2005 die unumstrittene Herrscherin in Deutschland. Es hat allen Anschein dass sie nach der Bundestagswahl ihren vierten Amtstermin wahrnehmen wird.. Damit tritt sie in die Fußstapfen Helmut Kohls, des legendarischen Kanzlers der deutschen Einheit.

Bruni

Und Frankreich? Während der Amtsperiode von Mitterand (1981-1995) und Chirac (1995-2007) spürte man noch ein wenig vom altüberlieferten Grandeur. Davon war kaum noch etwas übrig in der Amtszeit von Sarkozy, trotz der charmanten Erscheinung seiner Ehegattin Bruni..

Es ist sehr die Frage ob Macron daran etwas ändern kann. Bisher hat er noch wenig präsidentielle Allüre erkennen lassen, die eigentlich unentbehrlich ist für einen Elysee Bewohner. In Hollandes Kabinett war er Minister. Es war ein schlaues Manöver von Hollande um Macron ins politische Blickfeld zu schieben, als er seine eigene Erfolgsperspektive schwinden sah.

Frankreich braucht einen neuen De Gaulle / Caesar (Quelle Foto – Wikipedia)

Schatten

Die französisch – deutsche, beziehungsweise f-d-polnische Achse  formt das Herz der europäischen Zusammenarbeit. Berlin und Warschau verstehen einander gut, Polen dabei ein wenig im Schatten Deutschlands trotz seines wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten Jahre.

1990 war die Aussicht auf ein deutsches Europa noch furchterregend. Zum ersten Mal seit 1945 gab es wieder ein ungeteiltes Deutschland. Kohl und Merkel waren sich dieser Angst sehr bewusst und sind einen geschickt lavierenden Kurs gefahren zwischen einem deutschen Europa und einem europäische Deutschland.

Auf diesem Hintergrund wird es höchste Zeit dass Frankreich im alten Grandeur wieder erstrahlt. Dafür besteht in Europa dringender Bedarf. Trumps amerikanische Trommel schlägt laut und unüberhörbar, China ist unvermindert auf dem wirtschaftlichen Vormarsch. Macron steht vor einer schweren aber notwendigen Aufgabe.

Vassil Levski (Quelle Foto – Chefredakteur)

Zum Abschluss – Was hätte Levski hiervon gehalten ?

Levski hätte das so gesehen dass Macron seinen eigenen Kurs fahren sollte. Große einflussreiche Länder sollten das immer tun. De Gaulle war einer der eigenwilligsten Führer des modernen Frankreichs und wird gerade dafür respektiert und geschätzt. Levski würde Macron diese Eigenwilligkeit als wichtige Richtschnur sehr empfehlen.

Kannibalen

Ein packendes Buch von Boudewijn Büch über Kannibalen und Museen (Quelle Foto – JB)

Gibt es die heutzutage noch ? So etwas kommt doch nur noch in Jugend abenteuerbüchern vor und spielte sich in weiter Vergangenheit ab. Boudewijn Büch und Sabine Kruegler schrieben packende Bücher darüber

Museen

Der Globetrotter Büch lässt sich über dieses Thema ausführlich aus in seinem Buch De hele wereld in een vitrinekast (2001) / Die ganze Welt in einer Vitrine. Das Reichsmuseum von Leiden hatte ihn zum Schreiben dieses Buches beauftragt. Verständlicherweise, denn Büch war verrückt nach Bibliotheken, Archiven und Museen. Sein Buch gibt Einblicke in die museale Kollektionsstrategie des 19. Und 20. Jahrhunderts.

Leichen

Das klingt recht langweilig und einschläfernd, ist es aber bei weitem nicht wenn man liest dass man damals Leichen und Skelette ausstellte. Heutzutage würde dies Proteststürme auslösen. In der Kolonialzeit um 1900 nahm niemand Anstoß daran. Es mangelte den Menschen damals an Geld um exotische Orte zu besuchen. Also holte man die weite Welt nach Hause in die Niederlande.

Kochtopf

Dazu gehörten auch Kannibalen. Das Buch enthält Bezeichnungen wie Kannibalogie, Kopfjäger, und Eingeborene. Es sind Worte aus ehemaligen Zeiten, die Erinnerungen wach rufen aus jugendlich abenteuerlichen Büchern a la Willy van der Heide und Karl May.

Den Kannibalenkochtopf, der die Fantasie anregt, hat es nie gegeben. Außerdem war, wie Boudewijn Büch es beschreibt, die Wirklichkeit der Kopfjäger nicht gerade exotisch. Antropologen fanden heraus dass es eine Territorium Funktion der Abgrenzung und des Eroberns hatte.

Sabine Kruegler chrieb realistisch und engagiert über das Leben im Dschungel von Papua Neu Guinea (Quelle Foto – JB)
Guinea

Missionar

Sabine Kuegler beleuchtet in ihrem Buch Dschungelkind (2005) die andere Seite. Büch reiste öfters auf die Inseln im Stillen Ozean, die Schweizerin wohnte dort von ihrem fünften bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr. Ihre Eltern arbeiteten als Missionar und als Lehrerin beim Fayu Stamm in Papua Neu Guinea. Auf der Rückseite ihres Buches sind schon spannende Zeilen zu lesen über den ehemaligen Kannibalismus der Fayus.

Zum Vergleich

Büch wundert sich in seinem Buch über die total andere Welt der Stillen Südsee. Ungewollt stimmt Kuegler darin mit ihm überein. Sie schreibt dass die Fayus essen, trinken, fühlen, riechen, hassen und lieben, genau wie die Europäer. Das ist aber auch alles worin sie vergleichbar sind.

Eindringlich

Kuegler zeigt ein eindringliches Bild auf vom Dschungelleben. Jenseits von Fantasie und Fabelgeschichten erzählt sie davon wie sie als kleines Mädchen sich spielend und frei zwischen und mit den Fayus bewegte. Als sie als 17-jährige in die Schweiz auf das Internat musste, war das eine Kathastrofe für sie. Der Teenager dachte und benahm sich wie eine Fayu. Und was ist mit den Kannibalen? Büch schreibt dass Kinder ehemaliger Kopfjäger in den fünfziger Jahren von den Missionaren zur Schule geschickt wurden.

Vassil Levski (Quelle Foto – Chefredakteur)

Zum Abschluss – Was hätte Levski davon gehalten ?

Den Kannibalismus hätte er verabscheut. Ein einziges Mal hat Levski einen Kriegsfreund töten müssen und darauf war er alles andere als stolz.

Dorf (zeitung)

Wabe Wisses schaute nicht nur auf sein eigenes Dorf, sondern auch über seine Grenzen hinweg (Quelle Foto = JB)

1992 erschien in der Leeuwarder Courant die letzte Ausgabe des Bokwerder Belang, der fiktiven Zeitung, in der Rink van der Velde, alias Redakteur Wabe Wisses von den wundersamen Ereignissen im Fantasiedorf Bokwerd berichtete.

Kolonial

Die Artikel wurden in 4 Büchern gebündelt, darunter auch Bokwerd omhoog (1977) (aufwärts mit Bokwerd) und Bokwerd for ever (1979) (Bokwerd auf ewig). Sie verschaffen einerseits Einblicke in eine herrlich kleinbürgerliche Mentalität, andererseits gibt es die Bedeutung wieder die ein kleines Dorf in der großen Welt haben kann. Bote Bijster, der Dorfbewohner der einst in der Niederländisch Indischen Kolonie wohnte, erinnert den Leser des öfteren an das Leben auf der anderen Seite der Welt. Wabe Wisses weißt regelmäßig darauf hin was die Bewohner im ‘Zentralen Dorf’ alles falsch machen : Wabe Wisses Dorfstolz ist unübertroffen.

Phänomen

Die Bokwerdse Sprache ist ein interessantes Phänomen. Rink van der Velde parierte auf mild ironische Weise die Kritik dass das Niederländisch der Friesen von Friesismen durchsetzt sei. Kennzeichnend dafür ist der Untertitel des Bokwerder Belang – het is met zeggen niet gedaan (sagen ist noch lange nicht tun). Die Worte sind zwar niederländisch, der Ausdruck jedoch friesisch. Der Redakteur geht sehr kreativ um mit Sprache, Idiomen und Satzlänge, was dazu führt dass man beim Lesen eine ganze Portion Kreativität braucht.

Mak schrieb über Vor- und Nachteile des friesischen Landlebens (Quelle Foto – JB)

Geert Mak

BB (1970-1992) kann als Vorläufer eingestuft werden von Hoe God verween uit Jorwerd (1996), dem klassischen Bestseller von Geert Mak. Der Amsterdammer Journalist, gebürtg in Friesland,  berichtete darin in unnachahmlich eigenem Stil vom Untergang eines friesischen Dorfes auf dem Land. 2009 erschien eine luxuöse Ausgabe mit Farbfotos.

Voreingenommen

Doch war Mak, trotz seiner journalistischen Objektivität voreingenommen. Jorwerd war nämlich schon länger bekannt als Aufführungsort eines Freiluftschauspiels das jedes Jahr im Garten des Notars aufgeführt wurde. Dieses friesische Dorf gibt es immer noch und das Dorfleben verläuft wie eh und je. Es ist Maks Verdienst dass er mit Jorwerd das friesische Landleben bekannt gemacht hat.

Über das alltägliche Treiben eines Dorfes in den Friese Wouden (Quelle Foto – JB)

Ausland

Yn’e line   ist ein gutes Beispiel einer seriösen Dorfzeitung. Seit 1980 berichtet diese Zeitschrift auf verantwortungsvolle, journalistische Art vom Treiben in Tytsjerk. Die Vorzugssprache des zweimonatigen Blatts ist niederländisch, es gibt aber jedesmal auch friesische Beiträge.. Yn’e line  ist ebenfalls ein gutes Beispile für eine grenzüberschreitende Dorfzeitung . Seit einigen Jahren gibt es in jeder Ausgabe ein Interview mit einem Tjysjerker Ehemaligen der jetzt im Ausland lebt.

 

 

 

Vassil Levski (Quelle Foto – Chefredakteur)

Abschließend – Was hätte Levski hiervon gehalten ?

Er hätte es sehr lobesnwert gefunden dass Leute sich für ihr eigenes Dorf engagieren, egal ob es das fiktive Bokwerd sei oder die tatsächlichen Dörfer Jorwerd oder Tystjerk. Der Revolutionär blieb seiner Geburtsstadt Karlovo sein Leben lang eng verbunden.. Seit 1937 gibt es da ein Vasil Levski Museum.

 

Die Leidenschaft des Buchhändlers Frederik Muller

Frederik Muller übte sein Buchhändlerfach liebevoll und mit Hingabe aus (Quelle Foto – Autor)

Buchhändler haben es zur Zeit nicht leicht. Wie war das in früheren Zeiten ? Die Biografie des Frederik Muller (1817 – 1881), die 2016 erschien, gibt auf diese Frage einleuchtende Antworten.

Führend

Muller war herausragend in der Amsterdammer Bücherwelt. Zwischen Stapeln von Lebensbeschreibungen bekannter Zeitgenossen fällt er weniger auf und das zu Unrecht wenn man sich seinen wesentlichen Beitrag vor Augen führt.

Von klein auf

Die Liebe zu Büchern hat er als kleiner Knirps schon von von seinem Vater Samuel und seinem Onkel Johannes eingeflößt bekommen Der Biograf Chris Schriks beschreibt dies treffend wenn er schreibt dass Muller jemand war der mit schweizer Präzision , deutscher Gründlichkeit und holländischem Kaufmannsgeist das Büchergewerbe dominiert hat.

Die Frederik Muller Akademie war tonangebend wie das Vorbild ihres Namengebers (Quelle Foto – Wikipedia)

Mitarbeiter

Mullers Stärke war sozusagen gleichzeitig seine Schwäche. Er gestand anderen wenig Raum zu in der Branche, die seiner Auffassung nach eine Oligarchie sein sollte. Er besaß das Talent fähige Mitarbeiter an sich zu binden wie zum Beispiel Martinus Nijhoff und P.A. Tiele.

Renaissance

Wo man gegenwärtig geneigt ist der Spezialisierung den Vorrang zu geben stand Muller, was seine Arbeit betrifft, dem Renaissance Ideal des homo universalis näher. Er war nicht nur Buchhändler sondern unter anderem auch Sammler, Bibliograf, Antiquar,, Verleger und Auktionator. In der heutigen Zeit wird solch vielseitige Arbeit durch digitale Techniken erleichtert. Hut ab für jemanden wie Muller der solch hochwertige Arbeit leistete im Zeitalter handgeschriebener Briefe. Schreibmaschinen gab es damals noch nicht.

Muller hatte eine Vielzahl ausländischer Kontakte, unter anderen in de Vereinigten Staten (Quelle Foto – Autor)

Ausbildung

Logisch dass die Amsterdammer Ausbildung für Buchhandel und Verlegerei 1964 nach Frederik Muller benannt wurde. Das hat sich erst gegen 1994 geändert. Der heutige Name des Instituts lautet MIM (Media, Informatie en Communicatie). Der neue Name widerspiegelt zurecht den Zeitgeist, lässt aber leider Mullers umfassende Auffassung vom Büchergewerbe unterbelichtet.

Auf’s Neue

Seit 1998 gibt es wieder einen Frederik Muller der in (seltenen) Büchern handelt – www. frederikmuller-rarebooks,com. Schön und begrüßenswert dass es im digitalen Zeitalter noch Leute gibt die mit Sachverstand und Liebe alte Bücher verhandeln.

Vassil Levski (Quelle Foto – Chefredakteur)

Zum Abschluss – Was hätte Levski hiervon gehalten ?

Levski hätte Mullers Arbeit bewundert, vor allem dessen maßlosen Einsatz und Energieaufwand für sein Gewerbe. Der Apostel der bulgarischen Freiheit hat in seinem leben immer alles sorgfältig dokumentiert. Das Buch Vrije, democratische republiek (1869) ist die Widergabe seiner politischen Filosofie. Daarin beschreibt Levski wie sein Vaterland nach der türkischen Zeit aussehen sollte. Die Mitglieder seines Revolutionskommittes waren lokale Bibliothekverwalter.

Muller hätte sicher gerne auch mit Büchern über Levski gehandelt. 1880 erschien die erste Biografie von Zahari Stojanov. Seither ist eine lange Reihe Bücher über diesen Revolutionär erschienen, und das hält unvermindert an. Die allermeisten gibt es auf bulgarisch, es sind aber auch einige Ausgaben auf englisch und deutsch erschienen. Die bekannteste ist die Biografie aus 1967 von der Engländerin Mercia McDermott. Die ist wiederum ins Bulgarische übersetzt.

Ostdeutschland und Chile

Honecker und Gorbatjov kamen schlecht miteinander aus (Quelle Foto – Wikipedia)

Die Honeckers regierten Ostdeutschland zu ihrer Zeit mit eiserner Faust. Aber wie waren sie als Privatfamilie? Margot Honecker, die Witwe des ehemaligen DDR Diktators Erich Honecker, starb Anfang des Jahres 2016. Inzwischen aufgetauchtes Archifmaterial enthüllt eine Familientragödie die sich hinter der Machtsfasade abgespielt hat. Die Beziehungen zu Chile ziehen sich da als roter Faden hindurch.

Verheiratet

Honecker hatte 1950 eine hohe Position inne in der SED, die ostdeutsche kommunistische Partei, als er sich in Margot Feist verliebte. Kompliziert, weil er ja verheiratet war. Seine Frau wehrte sich nach Kräften gegen diese Affaire und machte die auch beim Parteivorstand bekannt. Erich entschied sich für Margot und war positiv überrascht als seine Parteikameraden ihm dabei zur Seite standen. 1952 wurde diese Beziehung mit der Geburt der Tochter Sonja bekrönt. Die Leidenschaft kühlte sich jedoch rasch ab und man sagt Margot nach, sie habe sich, genau wie die russische Katharina die Große, mit einem ganzen Schwarm Liebhaber umgeben.

Am anderen Ende der Welt fanden die Honeckers ein neues Zuhause (Quelle Foto – Wikipedia)

Großvater

Privates und Offizielles vermischten sich zusehends. Sonja durfte als Studentin in Dresden ihre Beziehung zu einem Landsmann nicht fortsetzen weil er zuviel redete. Die Heirat mit einem Chilenen, der 1973 dem Pinochet Regime entflohen war wurde gut geheißen. Die DDR war ein Freihafen für linke Chilenen die während der Pinochet Diktatur ihrem südamerikanischen Vaterland entflohen. 1974 wurde der Enkelsohn Roberto Yanez geboren. Er war der Augapfel seines Großvaters. Für ihn war Opa Erich ein lieber, gemütlicher Großvater. Doch war dies derselbe Mann der für sein ostdeutsches Volk ein rücksichtloser Diktator war. Es war der Tochter Sonja ein Dorn im Auge dass ihre Eltern ihren Sohn mit erzogen.

Treue

Sonja hatte eine Schwester. 1985 starb sie nach einer medizinischen Fehlbehandlung. Die Honeckers waren untröstlich und handelten gnadenlos. Ihr Hausartzt, der der ganzen Familie jahrelang treu zur Seite gestanden hatte wurde umgehend gefeuert. Erich und Margot bekamen noch einen Nachkömmling der jedoch früh starb.

Der Enkel verdient sein Brot als Künstler (Quelle Foto – Wikipedia)

Freunde

Gegen 1990 fiel die DDR als Staatsgebilde auseinander. Die Honeckers flüchteten sich in die chilenische Botschaft in Moskau. Margot durfte nach Chile reisen. Erich hätte in Berlin der Prozess gemacht werden sollen, er durfte aus Gesundheitsgründen dann doch nach Chile ausreisen. Freunde aus Chile halfen ihm diesesmal dabei.

Macht

1994 starb Honecker. Seine Ehegattin pflegte ihren an Krebs leidenden Mann liebevoll bis zu seinem Tod. Sie lebte weiterhin in Chile und verteidigte die DDR leidenschaftlich. Roberto Yanez sah wie seine Großeltern an ihrem politischen Untergang und am Verlust ihrer Macht litten, aber doch auch ungebrochen blieben. Im Frühjahr 2016 starb Margot.

Kapput

Die Honeckerfamilie hat in Ostdeutschland viele Familien ruiniert während ihrer Machtsperiode. Als Familie haben sie selbst jedoch auch einen hohen Preis bezahlt.

Vassil Levski (Quelle Foto – Chefredakteur)

Zum Abschluss – Was hätte Levski davon gehalten ?

Levski hat sich nicht oft im Ausland aufgehalten. In der serbischen Hauptstadt Belgrad hat er sich von 1862 bis 1868 als Revolutionär ausbilden lassen. Unter seiner Leitung kam 1869 in der rumänischen Hauptstadt Bukarest das Manifest seiner Kette von revolutionuaren Kommitees zustande. Der bulgarische Freiheitsapostel war nicht verheiratet und hatte keine Kinder. Seine Kommittees waren für ihn Familienersatz.

Engagierte Journalisten

Jounalistik war für Koos Koster mehr Lebensstil als Arbeit (Quelle Foto – Wikipedia)

Engagiert – ein Begriff aus den 60er und 70er Jahren des 20ten Jahrhunderts der inzwischen aus der Mode geraten zu sein scheint. Auch heute noch gibt es begeisterte Journalisten sowie der Niederländer Matthijs van Nieuwkerk, die Deutsche Maybritt illner und die Amerikanerin Oprah Winfrey . Sie setzen das Werk ihrer Vorgänger aus dem 20.Jahrhundert fort.

Leeuwarden

Einer der bekanntesten begeisterten friesischen Journalisten war Fenno Schouwstra (1924 – 2012). Er war der große Mann des “Kleine Krantsje”, 1964 – 1997 (sinngemäß : gemütliche kleine Zeitung) . Im Vordergrund standen nicht so sehr die aktuellen Nachrichten sondern die Nostalgie über das Leeuwarden von einst. Schouwstra arbeitete lange Zeit für die sozialistische Tageszeitung “Das Freie Volk”. Ein möglicher Aufstieg nach Rotterdam war für diesen friesischen Journalisten damals eine Nummer zu groß. Geradezu verliebt in Friesland und seine Hauptstadt war er ausgezeichnet informiert und brachte er jede Woche eine vollständige Ein-Mann-Zeitung heraus.

Fenno Schouwstra in seinem Archif (Quelle Foto – Wikipedia)

Befreiungstheologie

Koos Koster (1936 – 1982) könnte man als Gegenpol zu Schouwstra bezeichnen. Der Pfarrerssohn aus Sint Annaparochie wollte ursprünglich in die Fußstapfen seines Vaters treten. Er arbeitete in Ostdeutschland. Er merkte im Lauf der Zeit dass die Journalistik ihm näher am Herzen lag als das Pfarramt. Er zog nach Lateinamerika , schrieb über Befreiungstheologie und schloss sich in El Salvador der Widerstandsbewegung gegen die Diktatur an. 1982 wurden er und drie weitere Kollegen ermordet. Dieses vierfache Attentat, damals weltweite Nachricht, ist noch immer einmalig. Die Täter hat man nie aufgegriffen oder gar verurteilt. Sehr wahrscheinlich waren die Täter Salvadorische Paramilitärs die verhindern wollten dass Koster Misstände in ihrem Land an den Pranger stellte.

Radioberichte

Auch Georgi Markov (1929 – 1978) ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Der bulgarische Journalist und Bühnenautor war in den 60er jahren ein gefeierter Publizist im kommunistische Bulgarien. !969 fiel er in Ungnade und flüchtete er nach England. Als Radiojournalist deckte er im BBC die Geheimnisse der Machthaber in Sofia auf. Das gefiel dem Diktator Zjivkov überhaupt nicht. Im Absprache mit dem sovjetrussischen KGB wurde Georgi Markov am 7. September 1978 in London ermordet. Die Mordwaffe war einmalig : ein vergifteter Regenschirm.

Georgi Markov, glücklich mit seiner Familie in England (Quelle Foto – Wikipedia)

Macht

Koster und Markov mussten sterben weil sie zu bedrohlich wurden für die Machtzentrale. Ihre Proteste waren logisch und gerechtfertigt und passten in eine Zeit des politischen Engagements, die Machthaber ließen jedoch nicht mit sich spotten. Schouwstra erreichte wohl ein hohes Alter. Aber genau wie seine ermordeten Kollegen war er leidenschaftlicher Journalist.

Fernsehen

Van Nieuwkwerk, Illner und Winfrey sind Fernsehjournalisten, ihre Vorgänger bedienten sich des geschriebenen Wortes. Auch in dieser Form des 21.Jahrhunderts ist Engagement enorm wichtig. Journalismus ohne Leidenschaft verfehlt ihr Ziel völlig.

Vassil Levski (Quelle Foto – Chefredakteur)

Zum Abschluss – Was hätte Levski hiervon gehalten ?

Er hätte der Begeisterung dieser Journalisten für ihre Arbeit Beifall gezollt. Genau wie Markov und Koster hat er seinen Mut mit dem Leben bezahlen müssen. Er wurde als Revolutionär erhängt. Auch im Nachhinein hätte keiner dieser drei sich anders verhalten. Der politisch – korrekte Kurs der heutzutage gefahren wird war nicht ihr Stil. Aufrechte und konsequente Journalistik, und das 1000 prozentig.

Die unbekannteste First Lady

Melanie Trump, die zukünftige Bewohnerin des Weißen Hauses (Quelle Foto – Wikipedia)

Am 20. Januar wird Donald Trump offiziell als Präsident der Vereinigten Staten beeidigt. Seine Frau Melanie wird damit automatisch die neue First Lady. Sie tritt in die Fußspuren berühmter Vorgängerinnen sowie Jackie Kennedy, Hillary Clinton und Michelle Obama.

Bemerkenswert

Viel weniger bekannt ist Nina Sjtanski. Sie war kurze Zeit First Lady eines Landes das es gar nicht gibt. Ihre Laufbahn ist sehr interessant und bemerkenswert. Mit ihrer Erscheinung und ihrer Figur hätte sie ohne weiteres Fotomodell werden können in Paris, New York oder Mailand. Statt dessen ist sie eine der wichtigsten und berüchtigsten Frauen in Putins Imperium.

Nina Sjtanskis Laufbahn wird abrupt unterbrochen (Quelle Foto – Wikipedia)

Republik

Sie wurde 1977 geboren in Tiraspol, in der damaligen Sovjetunion, in der Teilrepublik Moldavien. Als das kommunistische Weltreich in den 90-er Jahren des vorigen Jahrhunderts in sich zusammen stürzte fanden in Moldavien heftige Kämpfe statt. Die frischgebackene Republik strebte nach Selbständigkeit und eventuellen Anschluss bei Rumänien. Darauf hatten die Einwohner der östlichen Provinz Transnistrien keine Lust; sie wollten sich bei Russland anschließen. Dieser bewaffnete Kampf dauerte zwei Jahre lang bis es 1992 zu einem Waffenstillstand kam, der bis heute Stand gehalten hat.

Anerkennung

Transnistrien kennt ein Parlament, einen Präsidenten, freie Wahlen und eine eigene Münzeinheit, ist aber international nicht anerkannt. Staatsrechtlich gehört es zu Moldavien, aber die Regierung in Chisinau hat keinerlei Einfluss. Tiraspol stützt sich im praktischen, moralistischen und finanziellen Sinn stark auf Moskau und Putin.

Melanie Trump wird First Lady in einem weltbekannten Land (Quelle Foto – Wikipedia)

Schön

In diesem (politischen) Klima entwickelte sich die bemerkenswerte Karriere der Nina Sjtanski. 2012 wurde sie Außenministerin. Der bedenkliche Ruf Transnistriens, bisher bekannt als Gaunerrepublik, wurde mit ihr als wunderschönes Aushängeschild stark positiv beinflusst. Der nächste Karriereschritt fand 2015 statt als sie den Präsidenten heiratete.

Gaunerrepublik

Von 1991 bis 2011 war Igor Smirnov der starke Mann von Transnistrien. Er hatte die Streittruppen angeführt im Bürgerkrieg von 1990 bis 1992. Der Kremlin hat ihn 20 Jahre später entmachtet. 2011 gewann der junge Jevgeni Sjevtsjuk die Präsidentenwahl. Mit seiner schönen Ehegattin konnte der Gaunerstaat nach außen hin einen perfekten Eindruck machen. Sie waren die Gorbatsjovs von Transnistrien.

Nina Sjtanski war gerade mal soeben First Lady eines Landes (gelber Fleck auf der Karte) das es offiziell gar nicht gibt (Quelle Foto – Wikipedia)

Stalin

Es kam unerwartet, aber Sjevtsuk wurde 2016 nicht wieder gewählt. Man weiß nicht genau weshalb. Vielleicht wurde Sjtanski zu mächtig. Russen und Sovjets halten nicht all zuviel von First Ladys. Von Stalin und Breznjev weiß man nicht ob sie überhaupt eine Frau hatten.

Abrupt

Melanie Trump wird voraussichtlich vier oder sogar acht Jahre lang das Weiße Haus bewohnen. Nina Sjtanski’s Karriere als First Lady von Transnistrien wurde abrupt unterbrochen. Möglicherweise zieht sie mit ihrem Mann nach Moskau um.

Vassil Levski (Quelle Foto – Chefredakteur)

Abschließend – Was hätte Levski davon gehalten ?

Levski war selbst nie verheiratet. Eine Ehegattin passte seiner Überzeugung nach nicht zu seinem Engagement für die Revolution. Er hatte wohl eine enge Beziehung zu seiner Mutter, wie auch zu baba (Großmutter) Tonka, ein wichtiges Mitglied des revolutionären Kommitees in Rousse.

Weihnachten, oder Sonnenwende?

Vor wenigen Tagen hat die westliche Welt Weihnachten gefeiert, das fest der Geburt Jesu, oder feiern wir die Sonnenwende? Der 21. Dezember war der kürzeste Tag des Jahres. Sonnenwende, – ist das nicht ein heidnisch germanischer Brauch? Ja und nein, die Wahrheit liegt in der komplizierten, interessanten Mitte.

Derr Prediger mit Heidentum Toleranz (Quelle Foto – Wikipedia)

Heidnisch

Viele Christen sind sich nicht davon bewusst oder wollen es lieber nicht wissen, dass ihr Glaube viele vorchristliche oder heidnische Spuren in sich trägt. Das Wort heidnisch ist emotional geladen; es hat einen negativen Klang. Pfarrer Henk Vreekamp hat sich intensiv mit diesem Thema befasst und hat darüber drei Bücher geschrieben.

Heiland

In Zwijgen bij volle maan (Schweigen beim Vollmond) – Veluwsche Erläuterung zu Edda und Tora (2003) untersucht und analysiert er den “Heiland”-Begriff an Hand der Veluwschen Wanderungen. Es handelt sich dabei um faszinierende Texte aus dem achten Jahrhundert mit denen es der Kirche gelang die Bevölkerung der Veluwe für den Gott Israels zu gewinnen. Die Kirche vermischte sehr geschickt heidnische mit christlichen Elementen. Mit anderen Worten – der neue, unbekannte Glaube wurde unauffällig mit dem alten, vertrauten verwoben. Der Heiland war PR, schon Jahrhunderte bevor der Begriff erfunden wurde.

Vreemans Veluwe Trilogie über Christentum und Heidentum / Teil 1 (Quelle Foto – Wikipedia)

Großvater

In seinem zweiten Buch de tovenaar en de dominee / der Zauberer und der Pfarrer – über das Erscheinen Gottes (2010) untersucht Vreekamp unter anderem anhand seines eigenen Großvaters, der angeblich Zauberer war, in wieweit dies wissenschaftlich zu erkláren ist. Als Pfarrer beweegt er sich auf der Grenze zwischen Wissenschaft und Theologie. Hat er die Antwort gefunden? In seinem Buch sind seine Befunde zu lesen.

Freya

Im dritten und letzten Teil seiner Veluschen Trilogie Als Freya zich laat zien / Wenn Freya erscheint – der Code des Christentums (2013) lässt Vreekamp die fiktive Freya in ihren Begegnungen mit den 12 Aposteln das klassische Glaubensbekenntnis herausfinden. Freya – Namensgeber unseres Wochentages Freitag – verkörpert das vorchristliche Heidentum aus der Edda.

Weihnachten ist selbstverständlich auch das fest der Geburt Jesu Christi (Quelle Foto – Wikipedia)

Natur

Vreekamp zeigt auf dass das Heidnische nicht verwerflich ist, wie viele Christen denken. Das Wort bedeutet ursprünglich von der Heide, den Naturmenschen von früher. In unserer modernen, technologischen Gesellschaft gibt es diesen Naturmenschen kaum noch. Das Weihnachtsfest und die Sonnenwende ist nur ein Beispiel dafür dass Christentum und Heidentum viel mehr ineinander verwoben sind als viele Menschen denken.

Vassil Levski (Quelle foto – Jan Buruma)

Abschließend – Was hätte Levski hiervon gehalten?

In den 1850er Jahren fing Levski eine Priesterausbildung an. Wegen eines gebrochenen Familienbelöbnisses wurde er dann doch Revolutionär. An seinem inoffiziellen Ehrentitel Apostel der bulgarischen Freiheit kann man erkennen wie eng Revolution und Glaube miteinander verknüpft sind.

Der 51. Staat

Donald Trump hat es dann doch geschafft, und das ist trotz aller Vorbehalte eine beachtliche Leistung. Die Meinungsforscher haben sich, ein halbes jahr nach dem Brexit Debakel erneut blamiert. Was wäre geschehen wenn der Rest der Welt an den Wahlen teilgenommen hätte ?

trump

Kompliziert

Das amerikanische Präsidenten Wahlsystem mit seinen Staaten und Wahlmännern ist in seiner Komplexität einmalig. Ende des 18. Jahrhunderts haben die Väter der Nation das so fest gelegt um zu verhindern dass ihr Präsident eine Kopie des englischen Königs sein würde. Die Kolonisten waren damit nämlich total nicht einverstanden.

clinton

Einwohner

1776 fing alles an mit 13 Staaten an der Ostküste. Seit 1959 zählen die USA 50 Staaten. Jeder einzelne hat eine bestimmte Anzahl Wahlmänner, proportional zur Anzahl der Einwohner. Dünn besiedelte Staaten wie Wyoming und Vermont (beide jeweils ungefähr eine halbe Million Einwohner) haben je 3 Wahlmänner. Dicht besiedelte Staaten wie Texas und Kalifornien (viele Millionen Einwohner) haben daher 38 beziehungsweise 55 Wahlmänner. Wenn ein Präsidentskandidat 270 Wahlmänner hinter sich hat dann kann er – in diesem Fall hätte es auch ‘sie’ sein können – nicht mehr eingeholt werden.

us

Machtsverschiebung

Die USA haben die Weltpolitik seit 1945 mit ihrem PAX AMERICANA weitgehend dominiert. Nach dem Berliner Mauerfall 1989 und dem Anschlag auf die Twin Towers 2001 ist die Hegemonie der USA abgebröckelt. China spielt seitdem eine einflussreiche Rolle, gleich dahinter Russland, Brasilien und Indien. Ganz vorne aber doch immer noch die USA.

world-2

Show Politik

Der Rest der Welt sollte eigentlich mit bestimmen können wer der nächste Präsident der USA werden soll. Es gibt kein anderes Land dessen Präsidentschaftswahlen dermaßen intensiv beobachtet, kommentiert und analysiert werden.

Vielfalt

Die USA haben mehr als 300 Millionen Einwohner. Die Weltbevölkerung zählt inzwischen mehr als 6 Miljarden. Die Gesamtzahl der amerikanischen Wahlmänner beträgt 538. Dem Rest der Welt müsste als 51. Staat also ein Vielfaches an Wahlmänner zustehen. Das wäre in sofern unrealistisch dass alle Wahlen durch dies Überzahl maßgeblich beeinflusst würden. Aber selbst wenn der 51. Staat nur 20 Wahlmänner hätte, weniger als Texas, Kalifornien und Florida, selbst dann wäre er schon wichtig genug.

Zweifel

Mit Trump als neuem Präsidenten scheint eine neue Ära angebrochen zu sein. Die Regierungsperiode Reagan, 1981 – 1989 war der Anfang des neoliberalen Zeitalters. Die Präsidentschaften der Demokraten Clinton (1993 – 2001) und Obama (2009 – 2017) haben daran wesentlich nichts geändert. Von Obama wurde sehr viel erwartet; nur einen kleinen Teil davon hat er erfüllen können. Es ist sehr zweifelhaft was man von Trump erwarten kann. Vielleicht wird er gerade deshalb besser abschneiden als sein heutiger Ruf vermuten lässt.

portret Levski - kopie

Zum Abschluss – Was hätte Levski hiervon gehalten ?

Er hätte gezweifelt. Trumps eigenmächtiger Stil hätte ihm imponiert, aber Clinton hätte ihn inhaltlich mehr angesprochen. Schließlich hätte der Apostel der bulgarischen Freiheit wohl die Demokratin gewählt. Levski hätte es sehr positiv bewertet dass die Amerikaner ihre Wahl frei und demokratisch treffen konnten. Er würde eine gute , sachliche Zusammenarbeit mit dem neuen Staatsoberhaupt befürworten.

Il n’y a que la Wallonie

Magnette spielte das Spiel ganz stark am Anfang, gab dann am Ende aber doch zu (Quelle Foto - Wikipedia)
Magnette spielte das Spiel ganz stark am Anfang, gab dann am Ende aber doch zu (Quelle Foto – Wikipedia)

Es war Mitte Oktober ein ganz klares Signal des wallonischen Premierministers Paul Magnette. Beinahe im Alleingang kehrte er das CETA-Vertrag, für die Freihandel zwischen der EU und Kanada. Geht es dabei nur um ein kluges Handeln des Sozialisten? Oder steckt da mehr dahinten?

Kompliziert

Die PS (Part Socialiste) ist seit einigen Jahrzehnten die weitaus stärkste politische Partei in Wallonien, genau dasselbe galt für die CD&V (Christendemokraten) in Flandern. Ist est die Schwache oder gerade die Kraft des komplexen Belgischen Regierungssystems, das eine Bundesstaatsregierung eine Entscheidung blockieren kann, für die die übrige 27,5 EU-Mitgliedstaaten schon zugestimmt haben?

Walloniens "Kleine Elysee" (Quelle Foto - Wikipedia)
Walloniens “Kleine Elysee” (Quelle Foto – Wikipedia)

Teilen

Das Vertrag ist ausserordentrlich neoliberal, und dass fällt manchem  Sozialdemokraten schwer. Aber es gibt mehr. Belgien besteht ja immerhin aus zwei Teilen. Das eine ist Wallonien, ein mikro-Frankreich, Das Gebäude der Wallonischen Regierung heisst “Elysette”, das ist eine Verkleinung des französischen “Elysee”. Das andere Teil ist Flandern, mit der die Niederlande zwar die Sprache gemeinsam haben, von der sie sich kulturell aber wesentlich unterschieden.

Fünf

Belgien ist aber noch so viel mehr. In 1830 bekam das Land die heutige geografische Form. Nach zahlreichen Grundgesatzänderungen haben sie seit 1970 ein Regierungskonsensus gefunden, mit der Wallonien und Flandern glücklich sind. Jedes Tiel des Landes hat eine eigene Regierung und Parlement. Dasselbe gilt für Brüssel, für die Französische Gemeinschaft (das ist Wallonien und die französischsprachigen in Brüssel) und für Belgien als ganze Land. Das letzte Punkt betrifft die föderale Lage, zu vergleichen mit Deutschland und die Vereinigten Staaten. Mit fünf Parlementen und Regierung ist dies ein ganz kompliziettes System. Aber es funktioniert.

Oben (rot) ist Flandern, unten (gelb) ist Wallonien (Quelle Foto - Wikipedia)
Oben (rot) ist Flandern, unten (gelb) ist Wallonien (Quelle Foto – Wikipedia)

Labyrinth

Warum aber ist Namen die Haupstadt Walloniens? Luik ist doch die erste Stadt des französischsprachigen Belgiens? Und weshalb ist das flämische Parlement in Brüssel? Antwerpen ist doch die wichtigste Stadt des niederländischsprachigen Belgiens? Hier hat man vernünftige Lösungen im belgischen Labyrint, von denen Den Haag und Paris, der ihre eigene unitäre Politik bevorzugen, noch etwas lernen können.

Gutes

Nicht zu vergessen dass man in Belgien ganz gut essen und trinken kan, und das die Belgen das Radfahren mehr oder weniger erfunden haben. Die Runde von Flandern und Luik-Bastenaken-Luik sind jedes Jahr in April die Höhepunkte. Berufsradfahrer wie zum Beispiel Claude Criquelion und Philippe Gilbert beweisen dass es viel gutes kommt aus französischsprachigen Belgien. Der gebürtige Bruxellois Jacques Brel sang das prachtige Ne me quitte pas und der gebürtige Luikenaar Georges Simoneon schrieb seine Romane über den Polizisten Maigret, der in immer regnerisches Paris die Verbrechen aufklärt. Paul Magnette folgte diesen gute Beispiele im politischen Sinne und markiert damit Wallonien auf der Weltkarte. Il n’y a que la Wallonne (nur Wallonien zählt).

portret Levski - kopie

© Zum Schluss – was hätte Levski davon gehalten?

Er wäre ganz mit Magnette einverstanden gewesen, Man muss ja nicht (direkt) mit Entscheidungen einer Grossmacht einverstanden sein. In Fall des wallonischen Premierministers gab es sogar zwei – die EU und Kanada. Levski kämpfte gegen das machtige Osmanische Reich. Die Revolutionär bezahlte am Ende den höchsten Preis. Seiner Meinung nach hätte Magnette mehr Ausdauer in seinem Kampf zeigen müssen.